Nägelkauen

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Nägelkauen – was sind die Ursachen und was kann man dagegen tun?

Das Nägelkauen ist weit verbreitet: über ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen und über zehn Prozent der Erwachsenen sind davon betroffen. Obwohl die meisten Nägelkauer sich für ihre Nägel schämen, fällt es schwer damit aufzuhören. Der Fachausdruck für das Nägelkauen ist Onychophagie, sie kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein und betrifft die leicht erreichbaren Fingernägel. Die Ursachen für die Erkrankung sind vielfältig und reichen von leichten Stresserscheinungen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen. Aus diesem Grund sollte die Ursache für das Nägelkauen unbedingt ärztlich abgeklärt werden, besonders, wenn es sich um sehr schwere Formen handelt.

Das Nägelkauen ist eine weitverbreitete Angewohnheit. Sie kann bei jedem Betroffenen individuell stark ausgeprägt sein.

Symptome einer Onychophagie

Betroffene kauen ihre Nägel ab, so dass diese nicht mehr weiter gekürzt werden können. Es gibt leichte Nägelkauer und Betroffene, die besonders stark an ihren Nägeln knabbern. Es kann so weit gehen, dass es zu blutenden Verletzungen und schmerzhaften Entzündungen kommt. Durch diese Belastungen ist es möglich, dass Stachelwarzen an den Fingern auftreten. Auch eine chronische Entzündung des Nagelbettes oder Störungen des Nagelwuchses können die Folge sein. Das Nägelkauen erfolgt unbewusst und ist von den Betroffenen meist nur schwer zu kontrollieren – bestimmte Situationen können es verstärken. In vielen Fällen tritt die Onychophagie nicht alleine auf, sondern wird von der Perionychophagie begleitet. Hier wird auch die um den Nagel befindliche Haut abgebissen.

Das unbewusste Nägelkauen kann zu Verletzungen und Entzündungen am Nagelbett führen. Auch Störungen des Nagelwachstums können die Folge von starkem Nägelkauen sein.

Ursachen für das Nägelkauen

Die Ursachen für das Nägelkauen sind vielfältig. Mediziner sprechen von einer spannungsabbauenden Verhaltensgewohnheit und in besonders ausgeprägten Fällen auch von selbstverletzendem Verhalten.

  1. Stress, Angst und Nervosität
    Die leichteren Formen der Onychophagie treten meist auf, wenn die Betroffenen unter Stress stehen, Angst haben oder nervös sind. Viele Betroffene knabbern mehr, wenn sie sich in bestimmten ihnen unangenehmen oder auch langweiligen Situationen befinden. Besonders Kinder kauen oftmals auch an den Nägeln, wenn sie aufgeregt oder konzentriert sind. Entwicklungs- und Leistungsdruck, aber auch psychische Traumata sind weiter Faktoren, die zum Nägelkauen bei Kindern führen können.
  2. Psychische Erkrankungen
    Einige psychische Erkrankungen können durch das Nägelkauen begleitet werden. Dazu gehören beispielsweise Neurosen oder paranoide Psychosen. Auch ADHS-Patienten können zum Nägelkauen neigen.
  3. Vorbilder
    Das Nägelkauen kann eine erlernte Eigenschaft sein. Kinder, die ihre Eltern dabei beobachten, wie sie innere Spannungen mit dem Nägelkauen beruhigen, können sich dieses Verhalten ebenfalls angewöhnen (Modellernen). Zwillingsstudien haben gezeigt, dass die Kinder von Eltern mit Onychophagie dieses Verhalten zu 60 Prozent übernahmen. In der Forschung wird auch eine genetische Prädisposition diskutiert, da die Wahrscheinlichkeit bei eineiigen Zwillingen doppelt so hoch ist, dass beide Kinder kauen als bei zweieiigen Zwillingen.

Die Ursachen für das Nägelkauen sind in den meisten Fälle Stress, Angst und Nervosität, sowie das Modellerlernen von Kindern durch das Abschauen bei Erwachsenen. Bei einigen Patienten kann eine Onychophagie auch das Symptom für eine psychische Erkrankung sein.

Was tun gegen Nägelkauen?

Das Nägelkauen ist ein angelerntes Verhalten und kann demzufolge wieder verlernt werden – auch im Erwachsenenalter. Allerdings müssen sich die Betroffenen aus freien Stücken für eine Behandlung  ihrer Onychophagie entscheiden, denn diese erfordert viel Konsequenz, Geduld und Energie.

  1. Aufklärung
    Meist beginnt das Ende des Nägelkauens mit einer Aufklärung der Betroffenen über die Ursachen ihrer Erkrankung und einem Verständnis für die Angewohnheit. Wichtig ist, dass auch Angehörigen deutlich gemacht wird, dass das Kauen der Nägel nicht so einfach durch den bloßen Willen zu beenden ist, sondern eine Umstellung des Verhaltens erfolgen muss.
  2. Nagellacke und Tinkturen
    Nagellacke und Tinkturen werden auf die Nägel aufgetragen. Sie sind transparent und schmecken sehr unangenehm. Die enthaltenen Bitterstoffe sollen den Patienten durch den stechenden Geschmack bewusst machen, dass sie gerade im Begriff sind ihre Nägel zu kauen. Durch diese Mittel wird zwar das Symptom bekämpft, die Ursache, wie beispielsweise Stress, bleibt jedoch bestehen.
  3. Handschuhe
    Um das kauen an den Nägeln zu vermeiden können Baumwollhandschuhe getragen werden. Allerdings können diese natürlich nur im privaten Rahmen als Hilfestellung dienen. Auch hier handelt es sich lediglich um eine Symptombekämpfung.
  4. Kunstnägel
    Nägel aus Gel oder Acryl lassen sich nur schwer zerbeißen. Sie können Betroffene vom Nägelkauen abhalten. Zudem kann durch den Einsatz von Tips oder Schablonen ein längerer Nagel erzeugt werden. Durch erfahrene Nageldesignerinnen lassen sich auf diese Weise auch sehr kurz gekaute Nägel wieder aufbauen. Unter den Kunstnägeln verschwinden unschön abgekaute Nägel zur Gänze –für viele Betroffene trägt dies sehr zum Wohlbefinden bei. Die Nägel sollten abgerundete Ecken besitzen um möglichst wenig Versuchung für weiteres Kauen zu bieten. Einige Nagelstudios bieten langfristige Onychophagie-Therapien an.
  5. Habit Reversal Training
    Das Training um sich das Kauen der Nägel abzugewöhnen, heißt Verhaltensumkehr oder Habit Reversal. Hier finden die Betroffenen Hilfe um sich selbst zu helfen und zu motivieren am Ball zu bleiben und ihr Verhalten zu verändern. In verschiedenen Schritten von der Beobachtung über die Ersatzhandlung bis hin zum Ansporn und zur Festigung wird der Weg fort vom Nägelkauen geebnet.
  6. Psychotherapie
    In einer Psychotherapie haben die betroffenen die Gelegenheit die Ursachen für ihr Nägelkauen zu ergründen. Ein Therapeut kann helfen mit Angst und Stress besser umzugehen und das eigene Verhalten zu verändern, sowie das Selbstbewusstsein zu stärken. Hier können die Patienten auf einen langfristigen und dauerhaften Erfolg hoffen.
  7. Unterstützung suchen
    Einigen Betroffenen kann es helfen, sich Unterstützung bei der Familie oder Freunden für ihr Vorhaben zu suchen. Wetten mit Belohnung bei erfolgreicher Durchführung sind beispielsweise ein guter Anreiz und können helfen, die Verpflichtung nicht zu kauen einzuhalten. Vorhaltungen durch Angehörige führen hingegen in vielen Fällen nicht zum gewünschten dauerhaften Erfolg und können die Betroffenen entmutigen. Lob für Fortschritte ist meist zielführender.
  8. Primärerkrankung behandeln
    In einigen Fällen kann die Onychophagie ein Anzeichen für eine ernstzunehmende psychische Erkrankung sein. Wirkt das Kauen an den Nägeln zwanghaft und kommt es zu weiteren Symptomen wie Schlaf- oder Essstörungen, sollte unbedingt ein Arzt zu Rate gezogen werden.
  9. Strafe bei Kindern vermeiden
    Besonders Kinder sollten nicht für das Nägelkauen bestraft werden. Das Belohnungsprinzip verspricht wesentlich bessere Erfolge. Auch die Ablenkung mit Dingen, die das Kind gerne tut, kann helfen. Zudem sollten Eltern sich auf die Ursachensuche für das Verhalten des Kindes begeben um eventuelle Stressauslöser zu minimieren. Generell kann das Nägelkauen bei Kindern auch ein normaler Schritt in der Entwicklung sein und im Laufe der Zeit von selbst wieder verschwinden.
  10. Nägel pflegen
    Damit Onychophagie-Betroffene gar nicht in Versuchung kommen an ihren Nägeln zu kauen, sollten diese regelmäßig gepflegt werden. Ecken oder Kanten sollten immer direkt abgefeilt oder abgeschnitten werden.

Um das Nagelkauen zu beenden, sollte zunächst die Ursache abgeklärt werden und deutlich sein, dass es sich um ein Verhaltensmuster handelt. Dieses kann mit verschiedenen Mitteln von Tinkturen über Kunstnägel bis hin zum Habit Reversal „abtrainiert“ werden.

Bildmaterial von FML (Felipe Micaroni Lalli) (http://de.wikipedia.org/wiki/Onychophagie ) Lizenz: Creative-Commons-Lizenz 2.5

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